Was ist der Unterschied zwischen Schreiner und Tischler?

Eine kleiner sprachlicher Exkurs

Ob Schreiner oder Tischler – es ist eine Frage der (Umgangs-)Sprache. Denn einen Unterschied zwischen den Tätigkeiten der beiden Berufsbezeichnungen gibt es nicht. In der Handwerksordnung wird allerdings der Begriff „Tischler“ als die offizielle Berufsbezeichnung geführt.

Sprachliches Nord-Süd-Gefälle

Wie so häufig bei Begriffen, ist auch bei der Frage ob „Tischler“ oder „Schreiner“ der richtige Begriff ist, die Region entscheidend.

Schreiner vs. Tischler

Um herauszufinden, welcher Begriff wo und wie häufig benutzt wird, hilft die große Suchmaschine weiter: Google registriert die Nutzeranfragen und kann somit ein ziemlich genaues Bild davon liefern, wo welcher der beiden Berufsbezeichnungen häufiger gesucht wird. Natürlich wissen Eingeweihte und Sprachwissenschaftler das auch ohne die Hilfe von Google: Kurzum – im Norden findet man eher den Begriff „Tischler“, während im Süden der „Schreiner“ zu Hause ist. Wie sieht es nun in der „Mitte“ – in Hessen aus? Hier überwiegt der Begriff „Schreiner“. Rund 3/4 der Suchanfrage nach dem Berufsbild in Hessen lautet auf „Schreiner“.

Definitionssache

Wer nach einer Definition der beiden Begriffen sucht, der wird bei Wikipedia fündig: „Tischler oder Schreiner ist ein Beruf, der sich auf die schneidende, fügende oder veredelnde Verarbeitung von Holz und Holzwerkstoffen spezialisiert hat“. Somit ist klar: Der Schreiner hat ebenso wie der Tischler tatsächlich etwas mit Holz zu tun… er „schneidet“, „fügt“ und „veredelt“ es. Als ebensolche Holzveredler stehen auch wir Tag für Tag an der Werkbank.

Die Online-Enzyklopädie verrät aber noch mehr als nur die (zugegebenermaßen) sperrige Definition des Berufsbildes. Die Herkunft des „Schreiners“ liegt darin, dass er einst vorrangig „Schreine“ gefertigt hat. Und als Schrein ist alles zwischen Sarg und Schrank zu sehen. Dass es auch für den Kistenmacher einst eine historische Bezeichnung gab, ist gänzlich in Vergessenheit geraten. Lediglich manche Familiennamen erinnern noch daran, dass die Familie „Kistner“ oder „Kistler“ ihren Ursprung im holzverarbeitenden Handwerk hatte. Ähnlich verhält es sich für die Tischler, deren Namensherkunft sich von der Erzeugung von Tischen ableitet. Auch hier finden sich Familiennamen wie „Tischer“, die an das einstige Familienhandwerk erinnern.

Schaut man ein wenig zurück in der Geschichte, so findet sich das Tischler- und Schreinerhandwerk zunächst in Gemeinschaft mit anderen holzverarbeitenden Handwerken: Nämlich den Zimmerern. „Erst“ im 14. Jahrhundert spaltet sich die Tischlerei von der Zimmerei ab und es bilden sich erste Zünfte. Die Tischlerzunft besaß im Spätmittelalter das alleinige Recht Hobel als Werkzeug sowie Leim als Verbindungsmittel zu nutzen. Die Fertigung von Fenstern, Türen, Wand- und Deckenvertäfelungen sowie Möbel war alleine den Tischlern vorbehalten.

Tischler oder Schreiner ist ein Beruf, der sich auf die schneidende, fügende oder veredelnde Verarbeitung von Holz und Holzwerkstoffen spezialisiert hat

Wikipedia

Tischler, Schreiner, Zimmermann

Einst und heute

Macht man einen großen Sprung zurück, dann ist das holzverarbeitende Handwerk sehr alt und der wohl berühmteste Zimmermann ist der Heilige Josef. Von ihm erzählt die Legende, dass er Zimmermann gewesen sei – was gewiss nichts mit dem modernen Berufsbild zu tun haben dürfte. Macht man hingegen nun einen großen Zeitsprung nach vorne, so findet man ein weit ausdifferenziertes Berufsbild und muss sagen, dass nicht jeder Tischler/Schreiner lediglich Holz veredelt. Manch einer in diesem Berufsbild ist wohl eher ein Maschinenführer an einer hochmodernen CNC-Maschine. Andere hingegen sind auf bestimmte Bereiche, wie den Fensterbau, den Möbelbau oder den Innenausbau spezialisiert.

Tischler oder Schreiner? Die Berufsbezeichnung ist eine regionale Frage. Aber die Tätigkeit ist dieselbe: Das Veredeln von Holz. Und dafür stehen auch wir!